10. Juli 2017

G20 - und jetzt...?

Lange habe ich überlegt, ob ich etwas dazu schreibe. Ich bin sprachlos angesichts dessen, was in Hamburg passiert ist. Und gleichzeitig rasen viele Gedanken in meinem Kopf herum. Aber irgendwie ist es mir wichtig, sie mal herauszubringen. Ich versuche sie in Textform zu bringen und hoffe, dass auch Menschen, die nicht in meinem Kopf zuhause sind, folgen können.

 
Ich bin (wiedermal) schockiert, dass Menschen, die so tun, als würden sie sich für Politik interessieren, die so tun, als ob sie für Frieden, Freiheit, Solidarität und Toleranz seien (meine Auffassung von "linker Politik"), die so tun, als würden sie demonstrieren wollen - dass sie sich als reine "Randale-Touristen" herausstellen. Ich bin schockiert, dass es das überhaupt gibt. Das ist grundsätzlich nichts Neues für mich, solche Menschen sind mir auch auf anderen Demos begegnet. Aber das, was in Hamburg passiert ist, hatte einfach andere Ausmaße. Frau Jule hat so passend geschrieben: "Das sind keine Demonstranten, die dort zündeln und plündern. Das sind auch keine Linksradikalen und das sind auch keine Autonomen. Nehmt nicht alles, was gerade von den Medien als "Demonstrierende" bezeichnet wird als solche. Nehmt jetzt nicht linke und autonome in Sippenhaft. Die, die da zündeln und plündern. Sind Arschlöcher. Nicht mehr und nicht weniger." (Zitat ebd.)

Wiedermal habe ich so viele Fragen im Kopf: Wieso zündet man die Autos von Privatpersonen an? Wieso schmeißt man die Scheiben von kleinen Läden ein? Wieso plündert man eine Drogerie? Wieso? Wieso gibt es solche Arschlöcher?

Auch ich habe erlebt, wie sich manch ein Polizist ziemlich daneben benommen habe. Wie manche Polizisten ihren Beruf nutzen, um Macht gegenüber anderen ausnutzen zu können. Aber trotzdem hatte ich noch nie das Bedürfnis, Gehwegplatten aus mehreren Metern Höhe auf sie zu schmeißen. Also: Wieso?

Und haben sie überhaupt nachgedacht, was ihre Taten für die sog. "linke Szene" in Hamburg bedeutet? Vermutlich wird sie zukünftig einen schwierigen Stand haben, weil sie mit diesen Arschlöchern und ihren Taten gleichgesetzt wird.

In den Medien ging es ja fast nur noch um Polizei und "Schwarzer Block", meist begleitet von einem Satz wie: "Ja, es gab auch friedliche Demos in Hamburg. Aber..." Wie schade!
Ich möchte von den bunten, friedlichen Protesten sehen, hören und lesen. Natürlich ist es wichtig, dass auch über die Randale berichtet wird, aber ich wünsche mir, dass genausoviel Zeit in der Berichterstattung an die friedlichen Demos gehen. Ich möchte sehen, wie bunte, fröhliche Demozüge durch Hamburg spazieren. Ich möchte sehen, was sich die verschiedenen teilnehmenden Gruppen ausgedacht haben. Ich möchte sehen, was gebastelt und gemalt wurde, um die jeweiligen politischen Haltungen oder Forderungen in die Welt zu bringen. Denn das gab es alles auch! Nicht nur Brände, Scherben und Verletzte. Über die Großdemo am Samstag, wo mehrere 10.000 Menschen zusammenkamen, habe ich nur wenig gefunden. Wie schade!

Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Politiker sich gerade hinter dieser Art von Berichterstattung verstecken können. Als ob sich kaum einer dafür interessiert, was beim G20 herausgekommen ist (meiner Meinung nach zu wenig). Aber so ist das, leider!

Ich mag Demos. Ich mag es, mit anderen Menschen, die in einem Punkt (m)einer Meinung sind, unterwegs zu sein, mich zu zeigen und zu zeigen, dass wir viele sind. Ich mag die Solidarität und die Vielfalt, die sich in dieser demonstrierenden Menschenmenge (mit denen ich dann unterwegs bin) sichtbar werden. Ich wäre auch in Hamburg gewesen, wäre ich nicht krank geworden. Und ich wäre gerne dort gewesen!

Und jetzt sitze ich hier und habe so einen schalen Nachgeschmack im Mund. Irgendwie ist mir aber auch nach: Weitermachen, es besser machen, beim nächsten Mal noch mehr sein, noch bunter. Und vor allem: Immer und überall Flagge zeigen! Vorbild sein! 
Es bleibt die Hoffnung, dass es doch möglich sein muss, für uns kleine, normale "Bürger" etwas zu bewegen und etwas zu verändern...

Aufnäher von Frau Jule


Kommentare:

  1. Ja, man kann dir folgen, auch wenn man nicht in deinem Kopf zu Hause ist. Verdammt gut sogar.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    AntwortenLöschen
  2. ich fürchte für die meisten menschen da draußen sind sogar sitzblockaden und straßenbarrikaden pure gewalt, weil sie einfach keine ahnung haben. ich fürchte ich muss in den nächsten tagen einen großen bogen um nachrichten und co machen, weil mich das nur aggro macht. auf der anderen seite saßen die größten brandstiftenden ja hinter der polizei in den messehallen und zerlegen wegen öl und scheiß ganze länder... margh!
    aber du hast schon recht. tante hilde, deren auto brannte kann wirklich nichts dafür. leider haben sie die falschen läden erwischt. in die city zu den schlimmen haben sie sich wohl nicht getraut... achachach. frau jule geht jetzt besser mal atmen.
    liebst,
    jule*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das befürchte ich auch.
      Ich finde es auch völlig unverhältnismäßig, wieviele Kohle für den G20-Gipfel ausgegeben wurde, wieviel Ärger die Hamburger damit hatten - und was dann auf politischer Ebene dabei rausgekommen ist.
      Liebe Grüße
      Antje

      Löschen